Snues A. Voegelin
Home

Werkverzeichnis

Biografie

Presse

Kontakt

Presse  
      

Von Wort und Musik inspiriert

HANDELSZEITUNG NR. 20, 19.MAI 1999

GALERIE ANNAMARIE M. ANDERSEN / Wie andere ihren Motiven in einer Landschaft begegnen, findet sie Snues A. Voegelin in der Musik und in der Literatur.

Martin Kraft

Die Galerie Annamarie M. Andersen in Zürich zeigt, getragen von ihrem grossen klassischen Programm, gezielt immer wieder jüngere Künstler, denen sie mit grossem Einsatz zur gebührenden Anerkennung verhilft. Snues A. Voegelin ist bisher ausserhalb des Raumes Basel noch wenig bekannt. Sein Vorgehen ist einmalig und mit der Zeit zu immer grösserer Konsequenz herangereift. Anders als Kunst, die sich an der sichtbaren Wirklichkeit orientiert, entsteht die seine ganz aus einer inneren Schau heraus. Voegelins Motive sind -obwohl im Bildtitel genau benannt – kaum mehr als blosse Anregungen für ein letztlich intuitives Schaffen. Dieses vollzieht sich zwischen den Disziplinen, vorzugsweise dort, wo sich Wort und Musik im komponierten Text begegnen. Es findet hier eine Grenzüberschreitung statt, die sich schliesslich ausweitet in das ganze Umfeld des musikalisch-literarischen Motivs.

Der Zusammenhang des Werks, aus dem der Ausschnitt stammt, dessen Entstehung und dessen Schöpfer, können einbezogen werden. Das führt den Künstler zu einer wissenschaftlich anmutenden Recherche. Deren unmittelbares Ziel ist nicht das Bild selber, sondern jene Stimmung, aus der heraus es entstehen kann. Dies geschieht dann, oft sehr schnell, in einer dem Action Painting nahestehenden intuitiven Gestik. Eine Art Mittlerfunktion zwischen den beiden sehr unterschiedlichen Schaffensphasen, der literarisch-musikalischen Auseinandersetzung und deren optischer Umsetzung, kommt der immer wieder kehrenden Strukturierung d er Bildfläche durch eine Noten- oder Textschrift zu. Diese ist nicht im Sinne einer Kalligrafie aufgefasst, obwohl zeichenhaft-gegenständliche Elemente wie das Kreuz immer wieder auftauchen können. Es handelt sich vielmehr um einen Grundduktus, der die noch bedeutungsbeladene Typografie teils schon durch die spiegelbildliche Umkehrung verändert und in freier Gestik schliesslich oft bis zur Unkenntlichkeit verwandelt. Mit einem musikalischen oder literarischen Motiv tritt immer auch dessen ganzes Umfeld in Erscheinung. Das können Freunde und Bekannte sein, die auf ein solches Motiv hinweisen. Und der Künstler nimmt solche Anregungen von aussen, wenn sie in ihm etwas in Bewegung setzen, gelegentlich dankbar auf. Nie aber würde er im Auftrag malen. Das hebt nicht zuletzt den Maler klar vom Entwerfer von Bühnenbildern ab. Gewiss sind mit der Theaterarbeit verbundene Erfahrungen ins freie Schaffen eingeflossen, ohne dieses aber wirklich zu bestimmen. Wesentlich sind für ihn die Begegnungen mit prägenden Künstlerpersönlichkeiten.

Im Banne der «Hamletmaschine»

Den Komponisten Jacques Wildberger kennt er als Nachbarn in Riehen seit seiner Kindheit. Die Auseinandersetzung mit seinem Schaffen, auf das sich seither zahlreiche Bilder beziehen, wurde später wie zur Initialzündung für sein eigenes. Dem deutschen Komponisten Wolfgang Rihm begegnete Voegelin 1996 bei einem Symposion der Paul Sacher-Stiftung. Er war zunächst einmal von dessen ungewöhnlicher Persönlichkeit beeindruckt. Diese äussert sich auch in zahlreichen Schriften und Gesprächen, die den Künstler zu mehreren Arbeiten angeregt haben. In jüngster Zeit aber sind zwei von Rihms Vertonungen als Ausgangspunkt ganzer Werkreihen ins Zentrum seines Schaffens gerückt.

Während es sich bei den Variationen auf das Gedicht «Hochroth» von Karoline von Günderrode um verschiedenformatige Acrylmalereien handelt, umfasst der Zyklus auf dem Fundament von Heiner Müllers Drama «Die Hamletmaschine» 88 Kohlezeichnungen im einheitlichen Format und ein grösseres Bild, gewissermassen als Quintessenz des Ganzen. Was die beiden sonst so verschiedenen Texte miteinander verbindet, ist ihre konzentrierte Dichte: Das Drama umfasst nur wenige Druckseiten. Beide Texte beziehungsweise Autoren lassen unmittelbar nachempfinden, wie stark sie auf den Komponisten und dann auf den Künstler gewirkt haben müssen.

Karoline von Günderrode, in deren Gedicht «Hochroth» ihr ganzes Schicksal kondensiert scheint, ist der Inbegriff der exaltierten romantischen Schwärmerin; aus unerfüllter Liebe brachte sie sich mit 26 Jahren um. «Die Hamletmaschine» von Heiner Müller forderte eine Komposition förmlich heraus. In rätselhaft-surrealen Szenen verschlüsselt das Stück damals aktuelle Erfahrungen mit der Politik in der DDR. Solche und andere Erfahrungen löst Snues A. Voegelin ganz in freier Malerei auf und lässt sie darin doch weiter mitschwingen. Deshalb können seine Bilder so beglückend wirken, ohne damit an Verbindlichkeit einzubüssen. Sie kosten zwischen 2400 und 10 000 Fr. (bis 30. Juli).

«Es war einmal" heisst diese neue Arbeit in Acryl auf Maltuch aus dem Wolfgang Rihm-Zyklus von Snues A. Voegelin, der bei Annamarie M. Andersen in Zürich zu sehen ist.

Zurück zu: Presse

 

 

      

© 2006-2010 Snues A. Voegelin