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Living on my own
Ausstellungs Vernissage am 23.11.01
frontstore Galerie Basel CH
Künstler: Snues A. Voegelin
Werke auf Maltuch und Papier
Einführung: Pascal Wirth
Sehr geehrte Damen und Herren, lieber Snues,
Laut Einladung darf ich als Architekt und als Sammler zu Ihnen sprechen. Als Architekt schätze ich die Ausstellungsräumlichkeiten, und als Sammler bitte ich Sie, trotz weihnachtlicher Einkaufsstimmung mir am Schluss noch etwas übrig zu lassen.
Living on my own
Freddie Mercury
einmalig wie ein Gemälde
"Es ist mir egal, ob ich morgen nicht mehr lebe, denn ich habe alles erreicht was ich wollte."
Morgen ist der 10. Todestag des unvergesslichen, in unser aller Gedächtnis unsterblichen Freddy Mercury. Der Leadsänger der Queens hat mit seiner Band einen einmaligen Musikstil geschaffen, welcher Popmusik mit klassischen Elementen zu etwas Neuem zusammenführte. Am 24. November 1991 starb Freddie Mercury an den Folgen der Immunschwächenkrankheit Aids. Er gab seinen Schmerz nicht zu, bewahrte seinen Humor bis zuletzt.
"Living on my own", Titel der Ausstellung und Titel eines Songs der Queen führt uns zum Anlass des Todestages besonders eindrücklich das zu schnelle Tempo, das viel zu kurze Leben, die Einsamkeit im Kampf gegen die Krankheit und des Sterbens sowie die gleichzeitige Hoffnung auf eine bessere Zukunft vor Augen.
Ich zitiere Dave Clark, den Freund, welcher den Künstler bis zu Schluss begleitete:
"Er sagte kein Wort. Er ging einfach schlafen und wachte nicht mehr auf. Ganz friedlich. Er war eine grossartige Persönlichkeit, so einmalig wie ein Gemälde. Ich weiss, er ist jetzt in einer besseren Welt"
Dies geschah morgen Freitag, den 24.11.01 vor 10 Jahren.
Der Vergleich der Einmaligkeit des engsten Freundes mit der eines Gemäldes ist insbesondere bei Betrachtung dessen reichhaltigen und einzigartigen Werkes Ausdruck höchster Wertschätzung der Malerei. Freddie Mercury hat auch selbst gemalt und Kunstwerke gesammelt.
Die Gemälde, die uns heute Abend umgeben, sind im Gegenzug zur Ehrerbietung der Musik an die Malerei die persönliche Hommage des Malers Snues Alfred (sprich Freddy) Voegelin an den Musiker Freddie Mercury, „Freddy for Freddie" Sie sind ihrerseits künstlerischer Ausdruck tiefster Verbundenheit mit der Musik. Das Zusammentreffen dieser zwei Kunstgattungen Musik und Malerei ist ein fundamentales Charakteristikum des Werkes von Snues. Musik ist flüchtig und bewegt, sie erreicht Präsenz und Eigenständigkeit durch Wiederholung und Variation ihrer Leitidee, mit ihrer Dynamik ergreift sie den Raum, breitet sich aus, überträgt den Rhythmus ihrer Schwingungen auf uns, wirkt auf unsere Stimmung, entführt uns in eine andere Welt, verleiht Kraft, Ruhe, Trauer oder Fröhlichkeit. So auch die Bilder von Snues. Wie erreicht er das?
Betrachten wir das Werk, welches der Ausstellung den Titel gibt: "living on my own":
Zunächst einen Blick in den Text von Freddy Mercury:
Sometimes I feel Im gonna break down and cry
Nowhere to go, nothing to do with my time
I get lonely, so lonely, living on my own
Sometimes I feel Im always walking too fast
And everything is coming down on me
I go grazy -living on my own
I don't have no time for no monkey busineß
I get so lonely
Got to be some good times ahead
Sometimes I feel nobody gives me no warning
Find my head is always up in the clouds
In a dreamworld
It's not easy living on my own
I don't have no time for no monkey business
I get so lonely
Got to be some good times ahead
Freddie Mercury's Auseinandersetzung mit sich selbst ist fundamental, befasst sich mit den Grundfragen seiner Existenz als Mensch, stellt all sein Tun in Bezug auf seine Unwelt in Frage. Erleben wir das nicht alle auch immer wieder? Was ist der Massstab, an welchem wir uns messen, ausserhalb von uns selbst? Sind wir anders? Was ist richtig und was ist falsch? Sind wir wir selbst? Wir bezweifeln in gewissen Situationen sogar, dass wir die grundlegendsten Fragen über uns selbst überhaupt beantworten können. Aus dieser Reduktion unserer Umwelt, unserer Probleme, Ängste, welche aus konkreten einzelnen Situationen heraus entstehen, auf unser tiefstes Inneres, aus dem grundsätzlichen Zweifel an Orientierungsfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Lebensfähigkeit offenbart sich Erkenntnis unserer eigentlichen Einsamkeit. Diese Erkenntnis der Einsamkeit als Individuum und der Fremdheit unserer Umgebung erweckt die Erwartung, dass wir doch noch einen Kontext in der Welt finden würden, in welchem wir das sein können, was wir wirklich sind. Die Melodie, der Rhythmus, die Stimme und der Einsatz der Instrumente erfüllen uns derart ergreifend mit einer Stimmung, dass der Text, welcher dem Werk zugrunde liegt und es veranlasst und bedingt hat, gegenüber dem gesamten musikalischen Werke in den Hintergrund tritt.
Genau dort finden wir den Text wieder auf dem Gemälde von Snues, auf dem Hintergrund oder Fundament, wie Snues es selbst bezeichnet. Der Text wird von Snues nicht abgeschrieben, sondern abgebildet, als Negativ abgezogen. Der spiegelverkehrte Abdruck des Negativs bildet die Grundlage, auf der das neue Positiv entsteht, nicht als Schrift, nicht als Song, sondern als Bild, indem über diesem Fundament, sich die Dynamik der Farben und Formen erheben, die Bewegung, die Wiederholung und Variation der Leitidee. Snues studiert die Musik und den Künstler gründlich und ausdauernd, bevor er die Leinwand aufspannt. Das Werk beginnt erst zu entstehen, wenn die Musik verstummt, die Studien abgeschlossen sind. Snues malt nie zu Musik. Er schafft aus der absoluten Ruhe heraus ein Gemälde, welches die Musik wieder erklingen lässt, den Raum dominiert, mit Stimmung und Harmonie erfüllt.
Vor Freddy Mercury haben andere Musiker Snues inspiriert, es gibt eine Serie zu Werken von Gianna Nannini, von Igor Strawinsky und von Wolfgang Rihm, einem dem bekanntesten Komponisten der Gegenwartsmusik. Es sind vorwiegend akustische Reize zeitgenössischer Musik, welche Snues zum Malen anregen, nicht optische. Die Arbeit als Künstler besteht darin, aus einer musikalischen Begeisterung heraus etwas Neues zu schaffen, nicht wie sonst häufig etwas Wahrgenommenes in einer eigenen Sichtweise darzustellen. Seine Malerei ist nicht abstrakt, denn sie abstrahiert nichts. Sie ist auch keine Interpretation von Gegenständen, Ereignissen oder von Musikstücken. Sie ist die Komposition von Gemälden. Snues malt Musik. Diese Arbeitsweise macht Snues' Werk absolut eigenständig. Die Rückbesinnung auf das Eigene, von äusseren Einflüssen unberührte Innere verleiht dem Werk, das daraus entsteht, seine faszinierende Natürlichkeit. Die Kunst stellt nichts dar. Sie ist sich selbst. "Living on my own".
"living on my own" ist Ausgangspunkt schöpferischen Wirkens: Sowohl für Freddy, als auch für Freddie. Die Unrast, die Einsamkeit als Künstler, die Unsicherheit, Orientierungslosigkeit, aber auch Unabhängigkeit, verbunden mit der Erwartung des Erfolges und gesellschaftlicher Anerkennung sind Antrieb zu den Werken.
Der Regisseur des Filmes Flash Gordon, für welchen die Queens die Begleitmusik lieferten, schilderte Freddie Mercury wie folgt:
"Im Privatleben war er sehr zurückhaltend und recht schüchtern. Er machte einen überraschend verletzlichen Eindruck, so dass man den Wunsch verspürte, ihn zu beschützen. Wenn ich ihn bei seinen Auftritten erlebte, war ich erstaunt, denn erst dann bot er einen aussergewöhnlichen Anblick."
Privat zurückhaltend, verletzlich, erschien er in der Öffentlichkeit extrovertiert, explosiv, selbstbewusst, extravagant. Diese schöpferische Dualität hat Snues aufgegriffen: Neben dem grossartigen, selbstbewussten Format der Bilder steht immer auch eine kleine, erste Version desselben Themas. Immer entstand erst das kleinere Bild, etwas vorsichtig, sich orientierend, Tempo und Ausdruck abtastend, mit dem Pinselstrich experimentierend. Das kleinere Bild hat Snues aber offenbar nicht ausgereicht, das impulsive, nach Raum und Freiheit drängende Werk in seiner Grossartigkeit zu erfassen. Die Bilder bedingen sich gegenseitig.
Noch kurz zu einem zweiten, am Vorabend des Todestages denkwürdigen Titel:
"love me like there is no tomorrow'
Das energiegeladene Bild hängt in unseren Arbeitsräumen und gibt meinen Mitarbeitern und mir indirekt täglich Kraft, jeden Tag so zu gestalten, dass er für sich schon lebenswert war, und kein "morgen" mehr verlangt. Dieser Kauf geht zurück auf einen Besuch im Atelier von Snues. Wir hörten den Song dazu und es fing alles an, sich zu bewegen. Wir räumten die Bilder hin und her. Ich überlegte, ob ich die richtige Entscheidung bei der Auswahl der Bilder getroffen habe, ob sie zu teuer wären, ob die Farben passen, ob es den Mitarbeitern und mir am Arbeitsplatz Kraft, Dynamik und Freude verleihen würde. Aber ich verliebte mich ganz einfach in diese Bilder, lernte bei ihrer Betrachtung Neues zu erkennen, zu entdecken, zu erleben. Ich blätterte an jenem einmaligen Abend in einem Buch, das im Atelier lag, und fand auf einer zufällig aufgeschlagenen Seite das Zitat von Freddie Mercury:
"Hope for the best and head for the top."
Diesen Satz sprechen dieses Bilder nun täglich zu mir. Ich hatte die richtige Entscheidung getroffen. Den Rest tut das Bild.
Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und viel Spass mit "living on my own".
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